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Nationales Holocaust-Museum

Amsterdam

Architekten: Office WinHov // Projektumfang: 2.500 m² BGF // Fertigstellung: 2024 // Awards: BNA-Award für das beste Gebäude 2025, Amsterdamer Architekturpreis 2025

Am Sonntag 10. März 2024, eröffnete König Willem-Alexander in Anwesenheit von Ministerpräsident Rutte, Staatssekretär Gräper für Kultur und Medien sowie Staatssekretär van Ooijen für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport das Nationale Holocaust-Museum. Es ist ein Museum mit einer besonderen Geschichte. Der Holocaust fand hier tatsächlich statt.

Das Museum in Amsterdam besteht aus dem renovierten Denkmal „De Hollandsche Schouwburg“ und der umgebauten „Hervormde Kweekschool“. ABT übernahm die ganzheitliche Beratung vom Entwurf bis zur Ausführung in den Bereichen Bauphysik, Haustechnik, Brandschutz, Tragwerksplanung und Geotechnik.​
 

Judenverfolgung in den Niederlanden

Das Nationale Holocaust-Museum erzählt die Geschichte der Judenverfolgung in den Niederlanden. Zwischen 1940 und 1945 wurden auf Befehl der deutschen Besatzer Juden in den Niederlanden, aber beispielsweise auch Roma und Sinti, systematisch diskriminiert, verfolgt, deportiert und ermordet. Rund 102.000 in den Niederlanden lebende Juden wurden im Holocaust ermordet. Anhand von 2.500 Objekten, wiederentdeckten Fotos und Filmen, Tonaufnahmen, Dokumenten und Installationen zeigt das Museum die Geschichte des Holocaust in den Niederlanden und in den Konzentrations- und Vernichtungslagern in Europa. Auch das Alltagsleben der Juden vor dem Zweiten Weltkrieg, die Befreiung aus der Perspektive der niederländischen Juden und der Umgang mit dem Holocaust in der niederländischen Erinnerungskultur werden im Museum thematisiert.
 

"Hollandsche Schouwburg" und die "Hervormde Kweekschool"

Das Museum besteht aus zwei historischen Gebäuden in Amsterdam, der "Hollandsche Schouwburg“ als Gedenkstätte und der ehemaligen „Hervormde Kweekschool“ als Museum; beide liegen an einer Seite der Plantage Middenlaan. Die Hollandsche Schouwburg wurde 1892 erbaut und war während des Zweiten Weltkriegs der Ort, an dem jüdische Amsterdamer gesammelt wurden, bevor sie in Durchgangs- und Vernichtungslager deportiert wurden. In der Schouwburg wurden Kinder von ihren Eltern getrennt und in die Kinderkrippe auf der anderen Straßenseite gebracht. Von der Kinderkrippe aus trugen Betreuerinnen Hunderte von ihnen über die Grundstücksgrenze in den Garten der Lehrerbildungsanstalt. Wenn die Straßenbahn stand und die Sicht vom Theater aus versperrte, wurden die Kinder zu Verstecken geschmuggelt.

Ab den 1960er Jahren diente das ehemalige Theater als Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust. Der Theatersaal und die Bühne wurden damals abgerissen. An dieser Stelle entstand ein Innenhof mit einer Gedenksäule. Im Jahr 2016 wurde in der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt das provisorische Nationale Holocaust-Museum eröffnet, das sich im Aufbau befand. Bis Anfang 2020 konnte sich die Öffentlichkeit dort bereits einen ersten Eindruck vom neuen, permanenten Nationalen Holocaust-Museum verschaffen, das nun eröffnet ist.

Architektur des Nationalen Holocaust-Museums

Die Renovierung und Umgestaltung der Gebäude wurde vom Architekturbüro Office Winhov und ABT durchgeführt. Der Architekt Uri Gilad entschied sich bewusst gegen eine düstere Atmosphäre, sondern für Licht.

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Uri: „Unser Ziel war es, spürbar zu machen, dass an diesem Ort, am helllichten Tag, Juden abtransportiert wurden.“ Im neuen Museum wurde kein Tunnel zwischen den Gebäuden geschaffen. Die Besucher legen nun denselben Weg zurück wie damals die jüdischen Kinder, mit der Straßenbahnhaltestelle in der Mitte.

​Tragwerksplanung

Michiel IJskes, Statiker bei ABT: „Die Fassade der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt wurde komplett verändert. Die Glasfassade an der rechten Vorderseite wurde mit Hilfe von Buro Vekemans mit einer neuen, weißen Fassade mit sogenanntem brasilianischem, durchbrochenem Mauerwerk versehen.

Die Fassade der oberen Stockwerke der ehemaligen Schule wurde angepasst und mit einem neuen Dach in der alten Kontur versehen. Das entspricht eher dem ursprünglichen Bauzustand der ehemaligen reformierten Lehrerbildungsanstalt aus dem Jahr 1888.“ Außerdem untersuchte ABT das Fundament und die Böden der Lehrerbildungsanstalt. Das Fundament erwies sich als noch in gutem Zustand, und die Böden wurden zusätzlich verstärkt, um der Belastung durch die Museumsbesucher standhalten zu können.

Einbau einer WKO-Anlage

Zur Renovierung gehört auch die Verbesserung der Nachhaltigkeit. Zu diesem Zweck wurde eine WKO-Anlage installiert.

Der Einbau war allerdings eine Herausforderung, da das Gerät in den abgeschlossenen Innenhof der Lehrerbildungsanstalt transportiert werden musste. Nach sehr genauen Berechnungen von ABT gelang es dem Bauunternehmen M.J. de Nijs en Zonen, den schweren Kranwagen durch einen eigens dafür geschaffenen Durchgang in das empfindliche historische Gebäude zu manövrieren.

Technische Gebäudeausrüstung

Außerdem wurden in der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt neue Ausstellungsräume und ein Auditorium gebaut. Kitty Huijbers, Beraterin für Bauphysik bei ABT: „Da für einen Technikraum für dieses neue und das bestehende Gebäude nur wenig Platz vorhanden war, haben wir diesen effizient zwischen dem Ausstellungsraum und dem Auditorium untergebracht. Wir haben dort weiterhin Zugang für Wartungsarbeiten oder Notfälle, aber es ist schon etwas anders als sonst.“

Die Installationen im Gebäude sind aufgrund des Platzmangels und des Wunsches, die lichte Höhe von drei Stockwerken zu erhalten, vertikal angeordnet. Kitty: „Wir haben die Schornsteine, die früher im Gebäude vorhanden waren, für die moderne Leitungsführung wiederhergestellt. Für die Luftverteilung in den Räumen wurden teilweise Doppelwände errichtet.“

In Zusammenarbeit mit Urban Scouts (Wijngaarde & Partners), Office WinHov, Bouwbedrijf De Nijs, Klomp B.V., Elektropartners B.V., Meelis & Partners, Huygen, Adviesbureau Vekemans

Leistungsbild:  Bauphysik,

Technische Gebäudeausrüstung, Brandschutz, Tragwerksplanung, Geotechnik, Safety Engineering

Fotos: Sander Koning

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